Folge 4 Irgendwann glaubst du ihnen
Show notes
Irgendwann glaubst du ihnen.
Was passiert, wenn verletzende Worte nicht einfach verschwinden, sondern irgendwann zur eigenen inneren Stimme werden?
In Folge 4 von UNGEHÖRT spreche ich über Mobbing, Ablehnung und Selbstzweifel – und darüber, wie man beginnt, sich selbst durch die Augen anderer zu sehen.
Aber wer entscheidet eigentlich, ob wir gut genug sind?
Vielleicht beginnt Heilung genau dort, wo wir erkennen:
„Das wurde mir gesagt. Aber das bedeutet nicht, dass es wahr ist.“
🎧 UNGEHÖRT – Wenn Worte mehr anrichten, als man sieht.
Content Note: Diese Folge thematisiert Mobbing, Körperbild, Essstörungen, Ablehnung und psychische Belastungen.
Show transcript
00:00:09: Folge vier.
00:00:50: Irgendwann glaubst du ihn?
00:00:52: In dieser Folge spreche ich über verletzende Worte, Mobbing, Ablehnung, Selbstwertkörperbilderstörungen und psychische Belastungen.
00:00:59: Bitte achte beim hören auf dich und pausiere die Folge wenn du merkst dass dir bestimmte Themen gerade nicht gut tun.
00:01:06: Man kann ein Satz hundertmal hören und behaupten das einem egal ist.
00:01:10: man kann lachen mit den Schulternzucken sagen es mir doch egal was sie denken aber manchmal stimmt das nicht.
00:01:17: Manchmal nehmen wir diese Worte mit nach Hause.
00:01:21: Und irgendwann braucht es niemanden mehr, der sie zu uns sagt, weil wir angefangen haben, sie selbst zu glauben.
00:01:27: Willkommen bei Ungehört wenn Worte mehr anrichten als man sieht!
00:01:31: In den vergangenen Folgen habe ich viel darüber gesprochen was in der letzten Zeit passiert ist über den Streit über mein Rückfall überscham und darüber wie gut man nach außen funktionieren kann obwohl das einem überhaupt nicht gut geht.
00:01:43: heute möchte ich einen Schritt weiter zurückgehen denn manche wunden entstehen nicht in einem einzigen Moment.
00:01:49: Manche entstehen Satz für Satz, Blick für Blick, Kommentar für Kommentar.
00:01:54: Bis man irgendwann nicht mehr weiß.
00:01:55: ist das wirklich meine Meinung über mich oder habe ich nur irgendwann angefangen die Meinung anderer zu übernehmen?
00:02:01: Worte verschwinden nicht immer!
00:02:02: Ich glaube jeder von uns erinnert sich an bestimmte Sätze vielleicht sogar Ansätze die vor vielen Jahren gefallen sind.
00:02:09: Komischerweise vergessen wir manchmal zehn Komplimente aber in diese eine Beleidigung erinnern wir uns An diesem einen Kommental bei unseren Körper Anders ausgelacht werden, an einen Blick.
00:02:20: An dem Moment in dem wir irgendwo dazugehören wollten und gespürt haben du gehörst sie nicht hin.
00:02:25: Vielleicht wurde über dein Aussehen gesprochen?
00:02:27: Über deine Art?
00:02:28: Über deinen Gewicht?
00:02:30: Über deine Stimme?
00:02:31: Darüber dass du angeblich zu laut bist?
00:02:33: Zu still, zu sensibel, zu emotional, zu irgendetwas?
00:02:37: Und wenn solche Dinge immer wieder passieren verändern Sie etwas.
00:02:41: Zumindest haben Sie etwas in mir verändert.
00:02:43: Irgendwann beginnt man sich mit fremden Augen zu sehen.
00:02:46: Das ist vielleicht einer der schlimmsten Teile von mobbing und verletzenden Worten.
00:02:50: Andere Menschen sagen etwas über dich, und irgendwann stehst du vor dem Spiegel und suchst nach dem was sie gemeint haben.
00:02:56: Plötzlich schaust Du nicht mehr mit Deinen eigenen Augen Sondern Du schaunst mit Ihren!
00:03:00: Du siehst nicht mehr einfach Deinem Körper, du siehst vermeintliche Fehler.
00:03:04: Du hörst nicht mehr deiner eigene Stimme.
00:03:07: Du fragst sich ob Sie nervt?
00:03:08: Du betritt ein Raum und denkst nicht wer sind diese Menschen Sondern viel eher, was denken diese Menschen über mich?
00:03:14: Und ohne es zu merken gibst du fremden Menschen unglaublich viel Macht über dich selber.
00:03:19: Wenn Ablehnung zur Erwartung wird!
00:03:21: Wenn man oft genug verletzt wurde beginnt man manchmal Ablehungen zu erwarten.
00:03:25: Noch bevor überhaupt etwas passiert ist.
00:03:27: Jemand antwortet anders als sonst.
00:03:28: bestimmt habe ich etwas falsch gemacht.
00:03:30: Jemands ist still, bestimmt ist die Person sauer auf mich.
00:03:34: Jemen zieht sich zurück.
00:03:35: natürlich irgendwann gehen sowieso alle.
00:03:38: Ein Konflikt entsteht.
00:03:39: Was hab' ich wieder falsch gemacht?
00:03:41: Ich merke heute, wie schnell mein Kopf manchmal nach der Schuld bei mir sucht.
00:03:44: Und vielleicht kommt genau das nicht nur aus dem Heute?
00:03:48: Vielleicht gibt es da auch Dinge die viel älter sind.
00:03:50: Dinge, die man so lange mit sich herumgetragen hat dass sie sich irgendwann wie Persönlichkeit anfühlen.
00:03:55: Vielleicht bin ich wirklich das Problem.
00:03:57: Diese Gedanken finde ich besonders gefährlich Denn irgendwann hinterfragt man nicht mehr nur sein Verhalten Man hinterfragt sich selbst.
00:04:04: Nicht habe ich in dieser Situation ein Fehler gemacht sondern bin ich falsch.
00:04:08: Das sind zwei völlig unterschiedliche Dinger.
00:04:10: Natürlich mache ich Fehler.
00:04:12: Natürlich sage ich manchmal Dinge, die später anders formulieren würde.
00:04:16: Natürlich verletze auch ich Menschen!
00:04:17: Ich möchte mich nicht davon freisprechen aber einen Fehler zu machen bedeutet nicht als Mensch ein Fehler zu sein.
00:04:22: Das klingt so selbstverständlich Und trotzdem muss sich den Unterschied erst lernen.
00:04:27: Vielleicht lerne ich ihn sogar immer noch.
00:04:30: Mein Körper wurde irgendwann zum Gegner.
00:04:32: Wenn man eine Ästerung kennt ist der eigene Körper oft nicht einfach nur der eigene Körper.
00:04:37: Er kann zu einem Ort werden an dem sich unglaublich viele Gefühle sammeln Kontrolle, Scham, Selbstwert, Ablehnung, Vergleiche, Angst.
00:04:45: Ich möchte hier bewusst nicht über Zahlen oder konkrete Verhaltensweisen sprechen.
00:04:49: Denn darum geht es eigentlich gar nicht!
00:04:51: Für mich geht es um etwas tieferes.
00:04:53: Darum wie schnell man beginnt zu glauben wenn ich nur anders wäre, wäre mein Leben leichter Wenn ich anders aussehen würde, wenn ich weniger empfindlich wäre, wenn ist stärker wäre... ...wenn ich unkomplizierter wäre.
00:05:03: Wenn ich dich einfach mehr so wäre wie andere mich haben wollen Dann würde ich vielleicht nicht verletzt dann würde ich vielleicht nicht verlassen, dann würde sich vielleicht endlich reichen.
00:05:12: Aber wann ist genug eigentlich genug?
00:05:15: Wenn das Ziel sich immer weiter verschiebt – das Problem ist wenn dein Wert davon abhängt ob andere dich akzeptieren, erreichst du niemals wirklich Sicherheit!
00:05:22: Denn Menschen ändern ihre Meinung, Menschen gehen, Menschen verstehen dich falsch.
00:05:26: Menschen mögen dich, Andere mögen Dich nicht.
00:05:28: Du kannst alles dafür tun eine Menschen zu gefallen und trotzdem nicht das sein was dieser Mensch sucht Und wenn du daraus jedes Mal ableitest, dass mit dir etwas nicht stimmt, wirst du dein ganzes Leben damit verbringen dich zu verändern.
00:05:39: Für Menschen die vielleicht selbst gar nicht bleiben.
00:05:43: und um ehrlich zu sein ja dieser Gedanke tut weh Aber gleichzeitig befreit er mich ein bisschen.
00:05:49: Vielleicht muss mich nicht jeder mögen.
00:05:50: Ich mag diesen Satz und merke selbst wie schwierig ich ihn finde.
00:05:54: Nicht jeder muss mich mögen.
00:05:55: Natürlich möchte ich gemocht werden.
00:05:57: Ich möchte dazu gehören Ich möchte verstanden werden Aber vielleicht ist es unmöglich, ein authentisches Leben zu führen und gleichzeitig von jedem gemacht zu werden.
00:06:07: Denn sobald ich Grenzen setze wird jemand sie unbequem finden.
00:06:11: Sobald Ich nein sage wie die man enttäuscht sein.
00:06:13: So bald ich mich verändere wird vielleicht jemand sagen früher warst du anders.
00:06:17: Vielleicht weiß ich das.
00:06:18: Vielleicht habe ich früher auch viel mehr ausgehalten.
00:06:20: oder damit niemand sauer auf mich ist Die Stimme in meinem Kopf!
00:06:25: Ich versuche inzwischen bewusster darauf zu achten wie ich mit mir rede.
00:06:29: Wenn ich denke ich bin nicht gut genug frage ich mich woher kommt dieser Satz eigentlich?
00:06:33: Ist das wirklich meine Stimme oder erinnert sie mich an jemanden?
00:06:36: Wenn ich denke, du bist zu viel, wer hat mir beigebracht, dass ich weniger sein müsste.
00:06:41: Wenn ich denk', du darfst niemanden enttäuschen warum eigentlich nicht?
00:06:44: andere Menschen dürfen von meinen Entscheidungen enttäuscht sein.
00:06:47: Das bedeutet nicht automatisch ,dass meine Entscheidung falsch war.
00:06:50: Vielleicht besteht ein Teil meines Weges darin all diese alten Sätze einzeln auch anzuschauen und zu entscheiden.
00:06:56: diesen behalte ich nicht.
00:06:58: Was würde ich mein jüngeren ich sagen?
00:07:00: manchmal denke ich eine jüngere Version für an die Personen, die bestimmte Dinge zum ersten Mal gehört hat.
00:07:06: Die vielleicht gar nicht wusste wie sehr diese Worte später nachwirken würden.
00:07:10: und ich frage mich was würde ich ihr heute sagen?
00:07:12: Wahrscheinlich nicht.
00:07:13: du musst stärker sein!
00:07:14: Ich glaube ich würde sagen glaub bitte nicht alles was Menschen über dich sagen.
00:07:18: nur weil jemand dich klein macht wird er dadurch nicht größer.
00:07:21: Nur weil jemand deinen Körper bewertet bekommt diese Person kein Recht dein Wert festzulegen.
00:07:26: Nur weil jemand dich nicht versteht, bist du nicht unverständlich.
00:07:29: Und nur weil jemand sich nicht richtig behandelt bedeutet das nicht dass du falsch behandelt werden musst.
00:07:33: Vielleicht hätte ich diese Sätze damals gebraucht.
00:07:36: Vielleicht brauche ich sie heute noch und vielleicht brauchst du sie auch.
00:07:40: Vielleicht gibt es auch in deinem Kopf Sätze die ursprünglich gar nicht von dir stammen.
00:07:44: Vielleicht trägst du die Stimme eines Elternteils, eines früheren Partners einer Mitschülerin eines Mitschülers eines Menschen der dich gemobbt hat oder von jemanden dessen eine Erkennung du unbedingt wolltest.
00:07:56: Vielleicht kannst du einfach beschließen, dass dieses Stimme ab morgen weg ist.
00:07:59: So funktioniert es wahrscheinlich nicht.
00:08:01: Aber vielleicht kannst du anfangen hier nicht mehr alles zu glauben?
00:08:04: Vielleicht kannst Du irgendwann sagen das wurde mir gesagt aber das bedeutet nicht, dass es wahr ist.
00:08:12: Ich kann nicht ändern was Menschen irgendwann zu mir gesagt haben.
00:08:14: ich kann nicht zurückgenuttern für Sorgen, dass bestimmte Dinge niemals passiert sind aber vielleicht kann ich entscheiden wie viel Raum diese Stimme heute noch bekommen.
00:08:22: Vielleicht muss Heilung nicht bedeuten alles zu vergessen.
00:08:25: Vielleicht bedeutet sie manchmal sich... zu erinnern, ohne sich weiterhin darüber zu definieren.
00:08:31: Du bist nicht die Summe der schlimmsten Dinge, die andere Menschen über dich gesagt haben und vielleicht müssen wir uns diesen Satz öfter sagen bis wir irgendwann anfangen ihn zu glauben.
00:08:39: Danke dass heute wieder zugehört ist!
00:08:41: Das war ungehört wenn Worte mehr anrichten als man sieht und beim nächsten Mal möchte ich über etwas sprechen das mir mindestens genauso schwer fällt.
00:08:49: Grenzen... Darüber warum ein Nein manchmal so viel Schuld auslöst Warum wir Angst haben Menschen zu verlieren wenn wir anfangen für uns selbst einzustehen Und warum ich langsam begreife, mich selbst zu schützen macht mich nicht zu einem schlechten Menschen.
00:09:01: Wir hören uns!
00:09:02: Passt gut auf euch auf!
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