Folge 5 Mein Nein macht mich nicht zu einem schlechten Menschen
Show notes
Folge 5 – Mein Nein macht mich nicht zu einem schlechten Menschen
Warum fühlt sich ein einfaches „Nein“ manchmal so schwer an?
In dieser Folge von UNGEHÖRT spreche ich über Grenzen, Schuldgefühle und die Angst, Menschen zu verlieren, sobald man beginnt, für sich selbst einzustehen.
Ich lerne gerade, dass ich jemanden lieben und trotzdem Abstand brauchen darf. Dass Verständnis nicht bedeutet, alles ertragen zu müssen. Und dass eine Grenze keine Bestrafung ist.
Vielleicht ist ein Nein zu anderen manchmal ein Ja zu uns selbst.
🎧 UNGEHÖRT – Wenn Worte mehr anrichten, als man sieht.
Content Note: Diese Folge thematisiert familiäre Konflikte, Grenzüberschreitungen und psychische Belastungen.
Show transcript
00:00:09: Gehört, Folge fünf.
00:00:50: Mein Nein macht mich nicht zu einem schlechten Menschen.
00:00:53: In dieser Folge spreche ich über schwierige familiäre und zwischenmenschliche Beziehungen Grenzüberschreitung und Schuldgefühle psychischer Belastungen und Selbstfürsorge.
00:01:02: Wenn diese Themen gerade etwas sind dir auslösen achte bitte gut auf dich Und pausiere einfach diese Folge und hör sie irgendwann anders weiter.
00:01:10: Nein Eigentlich ein ziemlich kurzes Wort Vier Buchstaben und trotzdem kann es sich unglaublich schwer anfühlen.
00:01:17: Nein, das möchte ich nicht.
00:01:18: Nein so möchte ich nichts behandelt werden.
00:01:21: Nein darüber möchte ich gerade nicht sprechen.
00:01:23: Nein ich komme heute nicht!
00:01:25: Nein ich kann das gerade nicht!
00:01:26: NEIN Warum fühlt sich dieses Wort für manche von uns an als müssten wir uns danach sofort entschuldigen?
00:01:34: Herzlich willkommen bei Ungehört.
00:01:36: wenn Worte mehr in Richten als man sieht.
00:01:38: In der letzten Folge ging es um die Stimmen anderer Menschen, die irgendwann zu unserer eigenen werden können.
00:01:43: Heute geht es um etwas was für mich eng damit verbunden ist Grenzen Und vor allem die Schuldgefühle, die entstehen können wenn man plötzlich anfängt welche zu setzen.
00:01:53: Ich dachte Grenzen wären etwas hartes.
00:01:55: Wenn ich früher an Grenzen gedacht habe hatte das für mich etwas Kaltes Abweisendes fast egoistisches Als würde eine Grenze bedeuten.
00:02:03: du bist mir egal.
00:02:04: Heute verstehe ich langsam.
00:02:06: Eine Grenze kann auch bedeuten ich bin mir nicht egal und es ist etwas völlig anderes.
00:02:11: Ich kann einem Menschen lieben und trotzdem nicht alles akzeptieren.
00:02:14: Ich kann jemanden verstehen und trotzdem sagen dass dein Verhalten mich verletzt.
00:02:17: Ich kann Mitgefühl haben und trotzdem Abstand brauchen.
00:02:20: Diese Dinge können gleichzeitig wahr sein.
00:02:23: Warum fällt ein Nein so schwer?
00:02:25: Ich glaube, weil jedes Nein auch eine Reaktion auslösen kann.
00:02:29: Der andere könnte enttäuscht sein Sauer verletzt.
00:02:32: Vielleicht zieht sich jemand zurück vielleicht wird einem Egoismus vorgeworfen Vielleicht hört man du hast dich verändert Und wenn man ohne ihn Angst vor Ablehnung hat fühlt sich eine Grenze gefährlich an.
00:02:42: Dann sagt man lieber ja obwohl man nein meint Man geht irgendwo hin, obwohl man keine Kraft hat.
00:02:47: Man führt ein Gespräch, obwohl er noch nicht bereit ist.
00:02:50: Man lässt einen Kommentar stehen, obwohl der verletzt.
00:02:53: Man entschuldigt Verhalten das immer wieder weh tut nur damit kein Konflikt entsteht.
00:02:58: aber der konflikt verschwindet dadurch nicht unbedingt.
00:03:01: manchmal verlagert er sich nur nach innen.
00:03:04: Frieden um jeden preis.
00:03:05: ich wollte einfach nur frieden keinen streit keine diskussion keine schlechte stimmung und deshalb habe ich den herunter geschluckt.
00:03:13: Ich habe versucht zu verstehen Noch einmal und noch einmal.
00:03:17: Ich habe mir gesagt, so war das bestimmt nicht gemeint.
00:03:20: Mach jetzt kein Drama daraus!
00:03:21: Lass es einfach.
00:03:23: Aber Frieden den man nur bekommt indem man sich selbstständig übergeht fühlt sich irgendwann nicht mehr wie Frieden an.
00:03:28: Es fühlt mich wie verschwinden an Und genau das möchte ich nicht mehr.
00:03:32: Eine Grenze ist keine Bestrafung.
00:03:34: Das muss dich lernen.
00:03:36: Wenn ich abscham brauche bestrafe ich nicht automatisch jemandem.
00:03:39: Wenn ich ein Gespräch beende weil es respektlos wird manipuliere ich nichtautomatisch.
00:03:43: Wenn ich sage, darüber möchte ich gerade nicht sprechen muss ich mich nicht rechtfertigen.
00:03:47: Eine Grenze soll nicht kontrollieren was ein anderer Mensch tut.
00:03:50: sie beschreibt was ich tue wenn etwas für mich nicht mehr in Ordnung ist.
00:03:54: Ich kann nicht sagen du darfst nie wieder wütend werden aber ich kann sagen wenn Du mich beleidigst werde ich das Gespräch beenden.
00:04:00: Das ist ein Unterschied und diesen Unterschied finde ich wichtig.
00:04:04: Aber dann kommt die Schulds!
00:04:06: Das Interessante ist selbst wenn ich rational weiß dass eine Grenze richtig sein kann fühlt es sich emotional manchmal trotzdem falsch an.
00:04:13: Dann kommt sofort, war ich zu hart.
00:04:15: Hätte ich länger zuhören sollen?
00:04:17: Bin ich egoistisch?
00:04:18: Hab' ich
00:04:18: überreagiert?".
00:04:20: Und manchmal möchte ich die Grenze direkt wieder zurücknehmen nur damit dieses unangenehme Gefühl verschwindet.
00:04:25: Aber vielleicht bedeutet Schuldgefühl nicht automatisch dass ich etwas Falsches getan habe.
00:04:29: Vielleicht bedeutet es manchmal nur Ich tue etwas das sich nicht gewohnt bin.
00:04:34: Menschen reagieren auf Veränderungen.
00:04:36: Wenn du immer ja gesagt hast und plötzlich nein sagst merken menschen das wenn Du immer erreichbar warst und plötzlich sagst heute nicht Merkenmenschen das.
00:04:43: Wenn du jahrelang bestimmte Kommentare ausgehalten hast und plötzlich sagst, so möchte ich nicht angesprochen werden, merken Menschen das.
00:04:50: Und nicht jeder wird diese Veränderung mögen!
00:04:52: Das ist wahrscheinlich der Teil, der mir am schwersten fällt.
00:04:56: Denn ich wünsche mir natürlich dass Menschen meine Grenzen verstehen aber vielleicht werden es manche nicht... ...und dann muss ich mich fragen brauche die Zustimmung eines anderen Menschen damit meine Grenze gültig ist?
00:05:14: Sätze wie aber wir sind doch Familie.
00:05:16: Und ja, Familie kann etwas Unglaublich Schönes sein!
00:05:19: Nähe, Sicherheit, Zugehörigkeit... Aber das Wort Familie sollte meiner Meinung nach kein Freifahrtschein dafür sein einen Menschen immer wieder zu verletzen.
00:05:27: Nähe gibt niemandem automatisch das Recht jede Grenze zu überschreiten und Liebe bedeutet nicht alles aushalten zu müssen.
00:05:34: Dieser Gedanke war für mich wichtig und gleichzeitig tut er weh Denn Grenzen zu setzen bedeutete manchmal auch anzuerkennen dass eine Beziehung gerade nicht so ist wie man sie sich wünschen würde.
00:05:44: Ich kann jemanden lieben und Abstand brauchen.
00:05:46: Vielleicht ist das einer der schwierigsten Sätze dieser Folge, ich kann jemandem Lieben und trotzdem Abstand brauchen!
00:05:52: Ich kann jemandem vermissen und trotzdem wissen dass Kontakt mir gerade nicht gut tut.
00:05:56: Ich kann schöne Erinnerungen mit einem Menschen haben und trotzdem verletzt worden sein.
00:06:00: Ich kan verstehen warum jemand so handelt und trotzdem entscheidet sich dieses Verhalten nicht mehr akzeptiere.
00:06:05: Wir wollen Dinge oft eindeutig machen – Gut oder schlecht, Liebe oder Ablehnung, Kontakt oder Kontaktabbruch.
00:06:10: aber Beziehungen sind manchmal komplizierter und vielleicht darf ich mir die Zeit nehmen herauszufinden, was ich brauche.
00:06:17: Grenzen gegenüber mir selbst.
00:06:18: während ich mich mit Grenzen beschäftigt habe ist mir noch etwas aufgefallen.
00:06:22: Ich brauche sie nicht nur gegenüber anderen – ich brache manchmal auch Grenzen gegen über mir selbst, gegenüber meinem eigenen Anspruch immer funktionieren zu müssen, gegenüber dem Gedanken alles sofort lösen zu müssen!
00:06:33: Gegenüber dem Drang jeden Konflikt hundertmal im Kopf durchzugehen, gegenüber meiner eigenen Härte….
00:06:39: Vielleicht darf ich sagen für heute reicht es.
00:06:41: Vielleicht muss ich nicht jede Szenarisch sofort beantworten.
00:06:44: Vielleicht darf ich mein Handy weglägen, vielleicht darf ich ein Gespräch auf morgen verschieben?
00:06:49: Vielleicht darf mich müde sein!
00:06:50: Vielleicht darf sich Hilfe brauchen!
00:06:52: Vielleicht einfach ein Mensch sein... Was verliere ich und was gewinne
00:06:56: ich?!
00:06:56: Ich hatte Angst das Grenzen Menschen vertreiben Und vielleicht passiert es manchmal sogar.
00:07:00: Vielleicht gibt es Beziehungen die nur funktionieren solange einer alles mitmacht.
00:07:04: Das ist ein schmerzhafter Gedanke Aber ich frage mich inzwischen auch Was verlieere ich wenn ich keine Grenzensetzer?
00:07:11: Meine Ruhe Mein Selbstvertrauen, meine Gesundheit mich selbst.
00:07:14: Wenn der Preis dafür das jemand in meinem Leben bleibt daran besteht dass ich mich ständig selbst verlasse.
00:07:19: Sie sah preis dann nicht irgendwann zu hoch?
00:07:23: Ich kenne die Antwort darauf für mich noch nicht in jeder Situation.
00:07:26: aber ich beginne die Frage überhaupt zu stellen.
00:07:28: und es ist neu ein Nein braucht nicht immer einen Roman.
00:07:31: ich habe die Angewohnheit mich erklären zu wollen.
00:07:33: wenn ich nein sage möchte ich am liebsten direkt fünf Gründe hinterher schicken damit niemand denkt ich wäre unhöflich damit niemand enttäuscht Damit mein Nein irgendwie akzeptabler wird.
00:07:43: Aber manchmal darf ein Nein einfach ein Nein sein, freundlich respektvoll aber klar.
00:07:48: das schaffe ich heute nicht.
00:07:50: Darüber möchte ich nicht sprechen.
00:07:51: so möchte Ich nicht behandelt werden!
00:07:53: Ich brauche gerade Abstand.
00:07:55: kein Roman keine Verteidigungsrede keine Zehn.
00:07:57: Entschuldigung Das übe ich.
00:07:59: und ja es fällt mir schwer An dich wenn du dich schuldig fühlst.
00:08:04: vielleicht hast Du grade selbst angefangen Grenzen zu setzen und vielleicht fühlt sich deshalb schlecht.
00:08:09: Da möchte ich dir nicht sagen, dass jede Grenze automatisch richtig ist.
00:08:12: Natürlich können wir auch unfair sein.
00:08:14: natürlich sollten wir unser eigenes Verhalten reflektieren aber du darfst deine Bedürfnisse ernst nehmen.
00:08:19: Du darfst prüfen ist diese Beziehung gut für mich?
00:08:22: fühle Ich mich respektiert?
00:08:24: kann ich nein sagen ohne bestraft zu werden?
00:08:26: Kann ich ehrlich sein?
00:08:27: Kann ich selbst sein?
00:08:29: und vielleicht ist einer der wichtigsten frage wie fühle ich mich regelmäßig nachdem ich Zeit mit diesen Menschen verbracht habe Nicht nur in den schönen Momenten sondern insgesamt.
00:08:39: Ich möchte nicht härter werden, das ist mir wichtig.
00:08:41: nach Verletzungen könnte man denken.
00:08:43: Dann muss ich eben härter werde.
00:08:44: Niemand mehr an mich heranlassen, Mauern bauen aber eigentlich möchte ich es nicht!
00:08:48: Ich möchte weich bleiben dürfen, ich möchte lieben, Vertrauen mitfühlen Menschen eine Chance geben.
00:08:53: Ich möchte nur lernen dass Freundlichkeit nicht bedeutet alles hin zu nehmen.
00:08:56: Das Empathie nicht bedeutet mich selbst zu vergessen und es ein gutes Herz trotz dem Grenzen haben darf vielleicht sogar haben muss.
00:09:06: Ich komme langsam zurück zu mir.
00:09:08: Wenn ich auf die ersten Folge dieses Podcasts zurückblicke, ging es oft darum was andere Worte mir ausgelöst haben.
00:09:13: Um mein Rückfall um Scham und das Funktionieren um alte Stimmen.
00:09:17: Und vielleicht beginnt hier langsam etwas Neues.
00:09:21: Nicht dieses große Jetzt ist alles gut Das ist es nicht Sondern etwas kleinere.
00:09:25: Ich fange an mich zu fragen Was brauche eigentlich ich?
00:09:29: Nicht was erwarten alle?
00:09:30: Nicht wie verhinderig dass jemand sauer auf mich isst?
00:09:33: Nicht wie kann ich es jedem recht machen?
00:09:35: Sondern was brauche ich?
00:09:37: Diese Frage fühlt sich ungewohnt an, aber vielleicht ist sie genau die Frage, die ich viel früher hätte stellen müssen.
00:09:44: Vielleicht werden Menschen enttäuscht sein wenn du anfängst dich selbst ernst zu nehmen?
00:09:47: Vielleicht versteht nicht jeder deine Grenze?
00:09:49: Vielleicht wirst du manchmal selbst daran zweifeln.
00:09:52: Aber ich möchte mir einen Satz merken Mein Nein macht mich nicht zu einem schlechten Menschen.
00:09:57: Mein Nein kann bedeuten Ich kenne meine Grenzen Ich höre mich und nehme mich ernst Und ich möchte mich nicht mehr selbst verlassen nur damit jemand anderes bleibt.
00:10:07: Vielleicht ist es ein Teil davon, wieder zu sich selbst zu finden.
00:10:10: Nicht plötzlich nicht perfekt sondern Grenze für Grenze.
00:10:12: Entscheidung für Entscheidung Tag für Tag!
00:10:15: Danke dass du heute wieder zugehört hast.
00:10:16: das war ungehört.
00:10:17: werden Worte mehr anrichten als man sieht und falls du gerade leer musst nein zu sagen vielleicht musst du dabei nicht kalt werden.
00:10:22: Vielleicht musst du nur anfangen auch zu dir selbst freundlich zu sein.
00:10:26: wir hören uns stay safe.
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